Veröffentlichungen des Landesverbandes Berlin-Brandenburg
 
Deutsche Fastnacht, 93, 05/2005, Seite 76

Beste Session seit Bestehen des Verbandes

Walter Kassin - Präsident des KVBB
 
„Man hat das Gefühl, die Preußen feiern zwar Karneval, aber mit angezogener Handbremse“, meinte eine Journalistin vor einiger Zeit. Das kann nach dieser Session entkräftet werden: So viele Karnevalssitzungen der über 140 organisierten und ca. noch 100 „freien“ Karnevalsgesellschaften gab es noch nie.

Aufgrund der starken Nachfrage mussten viele Vereine zusätzliche Veranstaltungen in ihr Programm aufnehmen. Es ist ja bekannt, dass gerade in Krisenzeiten die Menschen den Drang nach Entspannung haben, man rückt wieder näher zusammen. Da bietet sich der Karneval gerade in ländlichen Bereichen, Dörfern und Kleinstädten besonders an. Und da wird tüchtig gefeiert, die Karnevalssitzungen sind einer der Höhepunkte im Jahr. Und diese Sitzungen haben inzwischen solch einen hohen Qualitätsstandard erreicht, der schon ins Profihafte geht. Jubiläen, ob 22, 25, 30, 33 usw. wurden zum besonderen Anlass zum Feiern genommen und lockten zusätzliche Gäste und Sponsoren in die Sitzungen.

Vier Karnevalsgesellschaften feierten in dieser Session ihr 50jähriges Jubiläum. Der Karneval in unserer Region erlebte erst Anfang der 60er Jahre seinen Aufschwung. Nur wenige Vereine gründeten sich Anfang der 50er Jahre. Sie waren die Vorreiter und Vorbilder für Nachfolgende. Ihren 50-Jährigen feierten der Carnevals Club Teltow, Glindow und Kolkwitz sowie die Karnevalsgesellschaft Königswusterhausen. Allen Jubilaren nochmals Glückwünsche und ein herzliches Dankeschön für ihre ehrenamtliche Arbeit.

111 Gruppen in Berlin

Höhepunkt und Abschluss der Session waren die Umzüge in Berlin und Cottbus und lockten über eine Million Schaulustige an die Zugwege. Pünktlich um 12:11 Uhr setzte sich in Berlin am Brandenburger Tor der 5. Karnevalszug, bestehend aus 111 Gruppen, in Bewegung. Über 60 bunt geschmückte Wagen mit 17 Prinzenpaaren aus Brandenburg, das Berliner Prinzenpaar am Schluss des Zuges, Fußgruppen aus Berlin und Brandenburg und über 15 Musikzüge bildeten den fröhlichen Lindwurm. In der Mitte des Zuges hatte sich die Kölner Ehrengarde hoch zu Pferd eingereiht, um die Verbundenheit zwischen Köln und Berlin zu dokumentieren.

Rund 900.000 Zuschauer säumten den Zugweg der durch Berlins Mitte - Unter den Linden, Friedrichstraße, Gendarmenmarkt bis zum Schlossplatz führte. Dich gedrängt wurden rund 60 Tonnen Kamelle und anderes Wurfmaterial dankend in Empfang genommen. Mit einer großen Karnevalsparty im Festzelt auf dem Schlossplatz mit über 1.800 Gästen klang der Tag aus. Der Präsident vom Verein „Karnevals-Zug-Berlin e.V.“, Harald Grunert „StäV“, äußert sich positiv über den Erfolg und den Zuspruch der Zuschauer und auch der teilnehmenden Karnevalisten. Es wird zwar des Öfteren bemängelt, dass in größerem Maße keine politischen Themen persifliert werden. Aber wir wollen in Berlin keine Kopie des Kölner oder Düsseldorfer Zuges haben. In Berlin wollen wir einen fröhlichen, bunten Umzug nach Berliner Art durchführen.

Zug der fröhlichen Leute

Anders dagegen der „Zug der fröhlichen Leute“ in Cottbus. Rund 150.000 Schaulustige säumten, größtenteils kostümiert, die Zugstrecke. Hier war es bereits der 16. Karnevalszug und hier wurden recht viele politische wie regionale Aspekte aufs Korn genommen. Neben Schiedsrichter- Skandal, Hartz IV und PISA- Turm nach dem Motto: „Wissen ist Macht, nix wissen – macht nix“, wurden alle großen Politiker aufs Korn – geköpft – genommen. 4.000 Aktive in 83 Bildern gestalteten den Zug. Neue Vorschläge, wie ich meine, recht gute, wurden gemacht: „Von der Regierung kommt nur Brei, wir gründen eine Spaßpartei“ oder „Regierung außer Rand und Band – Deutschland muss in Narrenhand“. Na, dann schauen wir doch mal.
 
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